Bildbesprechnung

In diesem Teil stellen wir jeweils ein Foto vor und besprechen es kontrovers. Dafür spricht und Dagegen spricht.

Bildbeschreibung

Das Foto zeigt ein Sonnenblumenfeld, das am Wegrand von Rainfarn-Phazelien (Bienenfreund oder Büschelschön) umrandet ist. Das Foto wurde im Gegenlicht aufgenommen. Im Hintergrund ist eine Hügelkuppe sichtbar, die Horizontkante wird von einer Baumgruppe links und von einem Waldstück rechts unterbrochen. 

Dafür spricht

Die Gegenlichtaufnahme entspricht dem Motiv, denn im Gegenlicht leuchten die Farben der Blumen besonders prächtig. Im Bildaufbau ist ein Vordergrund, ein Mittelgrund und ein Hintergrund auszumachen, was dem Foto eine räumliche Tiefe verschafft. Der sanfte Schwung der Horizontkante und die sich nach unten verjüngende Perspektive lassen eine bewusste Bildgestaltung vermuten. Da hat der Autor eine bewusste Wahl des Objektives und des Standorts getroffen.

Dagegen spricht

Der Dynamikumfang einer Gegenlichtaufnahme ist oft für Digitalkameras zu gross. Dies führt dazu, dass das Foto unten zu dunkel ist, währed die Lichterzeichnung oben im Himmel fehlt. Der blaue Himmel ist fast ausgefressen weiss. In der Bildmitte sind ein paar Flecken auszumachen, beim genauen Hinschauen sind es Blendenflecken, die etstehen, wenn man direkt in die Sonne fotografiert. Schade, ist die Sonne nicht sichtbar. Im Foto ist der Vordergrund zu dunkel und der Hintergrund zu hell. Einzig der Mittelgrund ist richtig belichtet.

 

 

Bildbeschreibung

Der Lagh da Val Viola im Val da Camp, einem Seitental des Puschlavs. Ein paar Felsbrocken ruhen im Vordergrund auf dem grünen Wasser. Links reicht eine Waldspitze bis an den See, im Hintergrund eine schattige Bergflanke. Der Himmel stahlend blau, die Sonne reflektiert Sonnensterne im klaren Wasser. Bergidylle pur.

Dafür spricht

Die Bildkomposition vermittelt durch die Felsbrocken im Vordergrund Tiefe. Das Foto besitzt mehrere Ebenen: Das Wasser mit den besonnten Felsen, der Waldabschnitt, die schattige Bergflanke, der hohe Berg vor dem Himmel. Eine imaginäre Linie zieht sich im Zick-Zack-Kurs von vorn durch das Bild. Wir sehen einen hohen Dynamikumfang mit Lichtern bis Schatten. Das Gegenlicht konturiert die Felsbrocken und die Bäume im Wald. Die hingesprenkelten Sonnenreflexe im Wasser zeugen von der Leichtigkeit des Seins. Die Landschaftskomposition ist gelungen!

Dagegen spricht

Insgesamt ist das Bild etwas zu dunkel, das düstere Wasser und das dunkle Grün des Waldes passen nicht so richtig zur sommerlichen Stimmung. Zudem liegt die Wasserlinie leicht schräg, das Wasser scheint links aus dem Bildhinauszulaufen. Störend sind die Fecken, die sich in der linken Bildhälfte festsetzen. Zum einen sind es Blendenflecken (lens flares), die sich von der nciht sichtbaren Sonne diagonal durch Bild hindurchziehen. Meist sind sie sehr bunt. Die farblosen Flecken stammen von Staub und Fussel auf der Innenseite des Objektives (die Seite, die an der Kamera befestigt ist). Es lohnt sich, das Objektiv vorn und hinten immer wieder auf die Sauberkeit zu prüfen und zu reinigen, denn solche Flecken sind im Nachhinein nur mühsam wieder rauszukriegen.

 

Bildbeschreibung

Die geometrische Abbildung deutet einen Kreis an, der oben und unten beschnitten ist. Im Kopf bildet sich dennoch ein Kreis, weil Bildelemente immer über die Ränder hinaus wirkt. Auf der rechten Seite sehen wir ein gerade ausgerichtetes Element, welches die Symmetrie unterbricht. Die Schärfeebene liegt auf dem Kaffeeschaum, alles andere verschwimmt im Bokeh. Die Kreisform ist nicht perfekt symmetrisch ausgerichtet. Ob das Nicht-Perfekte Absicht war oder aus Unachtsamkeit einfach so geschah, ist nicht zu ergründen.

Dafür spricht

Die reduktionistische Aussage wirft einen Blick auf den Kaffeegenuss «das Auge trinkt mit». Man ist fast versucht, das Bild mit einem Blick aufs Kaffeesatz-Lesen zu deuten. Die Dominanz der Kreisform umschliesst die Bildaussage, sie deutet auf die runde Sache des Kaffeegenusses hin. Im Bild ist ein Kontrast herauszulesen: die streng geometrische Einfriedung kontrastiert mit dem wilden Durcheinander des Getränks. Der Mensch zwingt die überschäumende Natur in ein Trinkgefäss. Das Foto ist gleichzeitig raffiniert und einfach. Es ist plakativ und lässt gleichzeitig Raum, über die Aussage nachzudenken.

Dagegen spricht

Die Farbgebung ist in einem cremigen Ton gehalten. Es ist zu vermuten, dass das vorhandene Licht und der Weissabgleich für dieses Resultat gesort haben. Auf gut Deutsch: Das Bild hat einen ordentlichen Gelbstich. Ist der Absicht? Hat der Urheber oder die Urheberin extra eine warme Stimmung mitgeben wollen? Kaffeegenuss an einem heimeligen Ort?